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aktuelle Publikationen


Hier finden Sie eine Auswahl von 2018 veröffentlichten Forschungsergebnissen der Fakultät.


Publikation

Abbildung

Bemerkungen

Fischer, M.S., Lehmann, S. Andrada, E. (2018): Three-dimensional kinematics of canine hind limbs: in vivo, biplanar, high-frequency fluoroscopic analysis of four breeds during walking and trotting. Scientific Rep. (2018) 8:16982 | DOI:10.1038/s41598-018-34310-0 : 1-22

 
 
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Abduktion und Rotation um die Längsachse bei der Französischen Bulldogge führt zu einer starken Beckenbewegung.
Fotos: Martin S. Fischer/Jonas Lauströer
Erstmals wurde die räumliche Bewegung der Hintergliedmaßen von vier verschiedenen Hunderassen (Beagle, Französische Bulldogge, Malinois und Whippet) mittels hochfrequenter Fluoroskopie beschrieben. Zehntausende Röntgenbilder wurden in einem aufwendigen Verfahren ("Scientific Rotoscoping") analysiert. Die Studie zeigt nicht nur, dass es unmöglich ist dreidimensionale Bewegungen mit Hilfe von externen Markern zu erkennen sondern dass die Französischen Bulldoggen eine bisher nicht gekannte Bewegung besitzen. So wird das Hinterbein gegenüber dem Rumpf nicht nur weit ausgestellt sondern um über 30° um seine Längsrichtung gedreht. Dies stellt eine hohe Belastung des Kniegelenkes dar und verschiebt das Becken, da das Hinterbein ja am Boden" verankert" ist, bei jedem Schritt.

Hans Pohl et. al.: "A needle in a haystack: Mesozoic origin of parasitism in Strepsiptera revealed by first definite Cretaceous primary larva (Insecta)", PeerJ 2018, DOI: 10.7717/peerj.5943

Quelle und weitere Informationen:
https://idw-online.de/de/news707338
Bernstein250
Etwa 99 Millionen Jahre alt ist dieser Bernstein, in dem rund 60 verschiedene Insekten  eingeschlossen sind - darunter auch die nur 0,2 Millimeter große Larve eines Fächerflüglers.
Foto: Jan-Peter Kasper/FSU
Die Entdeckung des rund 99 Millionen Jahre alten Exemplars kommt einem Glücksfall gleich. "In dem nicht einmal drei Zentimeter großen Bernstein sind insgesamt über 60 fossile Tiere eingeschlossen, unter anderem Käfer und Milben. Die Fächerflüglerlarve ist mit ihren 0,2 Millimeter Länge nur mithilfe eines Mikroskops erkennbar", sagt Dr. Hans Pohl von der Universität Jena, der den aus Myanmar stammenden Bernstein untersucht hat. "Auch heute noch zählt sie mit einer Größe vergleichbar mit einem einzelligen Pantoffeltierchen zu den kleinsten bekannten Vielzellern überhaupt."
Kruse S, Goris T, Westermann M, Adrian L, Diekert G: Hydrogen production by Sulfurospirillum species enables syntrophic interactions of Epsilonproteobacteria, Nature Communications 2018, 9, Article Number 4872, DOI: 10.1038/s41467-018-07342-3 

Rischer M, Raguž L, Guo H, Keiff F, Diekert G, Goris T, Beemelmanns C.: Biosynthesis, Synthesis, and Activities of Barnesin A, a NRPS-PKS Hybrid Produced by an Anaerobic Epsilonproteobacterium, ACS Chemical Biology 2018, Aug 17;13(8):1990-1995, DOI: 10.1021/acschembio.8b00445 
KruseAusschnitt
Auf dem Bildschirm des Fotoausschnitts ist eine elektronenmikroskopische Aufnahme einer biofilmartigen Aggregatbildung zu sehen.

Foto: Jan-Peter Kasper/FSU

 Es gibt Bakterien, die Wasserstoff und Naturstoffe produzieren, was sowohl für die Umwelt als auch für die Medizin wichtig ist. In Jena hat ein Forschungsteam nun die Fähigkeit zur Wasserstoff- und Naturstoffproduktion in einer Gruppe von Bakterien nachgewiesen, die bis dahin eher als Krankheitserreger bekannt waren. In Gemeinschaft mit einem methanproduzierenden Bakterium konnten diese Bakterien Milchsäure zu Methan umwandeln.

Bakterien dieser Gruppe, der sogenannten Epsilonproteobakterien, werden zum Beispiel mit der Entstehung von Magengeschwüren in Verbindung gebracht oder sind als Auslöser von Lebensmittelvergiftungen bekannt. Die Epsilonproteobakterien, die an der Universität Jena erforscht werden, sogenannte Sulfurospirillen, sind hingegen harmlos und leben unter Ausschluss von Sauerstoff in Abwässern und Flusssedimenten und können Schadstoffe in der Umwelt umwandeln. Diese Transformation ist an die bakterielle Atmung gekoppelt, die biochemisch ähnlich zur menschlichen Sauerstoffatmung ist. Nun hat ein Jenaer Forschungsteam zwei weitere besondere Stoffwechselleistungen von Sulfurospirillen entdeckt und erstmals beschrieben: die Fähigkeit, sowohl Wasserstoff als auch Naturstoffe zu produzieren. Letztere könnten eventuell als Medikamente dienen.
S. König et al. (2018): Melleolides from Honey Mushroom Inhibit 5-Lipoxygenase via Cys159, Cell Chemical Biology, https://doi.org/10.1016/j.chembiol.2018.10.010

Quelle und weitere Informationen:
https://idw-online.de/de/news705622
 Hallimasch250
Ein Exemplar des honiggelben Hallimaschs in der freien Natur (Armillaria mellea).

Foto: Dirk Hoffmeister/FSU

Zur Abwehr von Fremdkörpern, etwa Mikroorganismen, ist der Mensch mit einem effektiven System ausgestattet. Immunzellen senden Botenstoffe, wie zum Beispiel Leukotriene aus, die das körpereigene Abwehrsystem in Gang setzen. Diese Immunreaktionen können dabei jedoch auch Entzündungen auslösen. Werden kontinuierlich große Mengen dieser Botenstoffe ausgeschüttet, kann die Abwehr auch den eigenen Körper schädigen - chronische Entzündungen und Autoimmunkrankheiten sind die Folge. Eine Methode, um die schädigende Immunreaktion einzugrenzen, ist somit, die Bildung der Leukotriene zu blockieren. Doch dafür muss man zunächst geeignete Angriffspunkte der Botenstoffbildung in den Immunzellen kennen.

Genau diese haben Pharmazeuten der Friedrich-Schiller-Universität Jena jetzt gemeinsam mit Kollegen aus Frankfurt am Main gefunden - und zwar mit einem ungewöhnlichen Werkzeug. Sie nutzten Melleolid - ein hochwirksamer Stoff, der vom Hallimasch gebildet wird.
Gunnar Brehm, Dirk Zeuss, Robert K. Colwell: Moth body size increases with elevation along a complete tropical elevational gradient for two hyperdiverse clades", Ecography Early View pages / Wiley Online, doi: 10.1111/ecog.03917. 

Quelle und weitere Informationen:
https://idw-online.de/de/news703926
Schmetterlinge

Foto: Gunnar Brehm/FSU

Exemplarische Auswahl von neotropischen Spannern (links) und Bärenspinnern (rechts), geordnet nach der Höhe (oben = hoch).
Mehr als 19.000 Falter von 1.100 Arten haben Jenaer Wissenschaftler zusammen mit Kollegen aus Marburg und Connecticut/USA vermessen. Sie wollten herausfinden, ob sich die Größe von tropischen Schmetterlingen mit der Meereshöhe ändert. "Die Körpergröße spielt eine zentrale Rolle in der Ökologie und Evolution von Organismen", erläutert Dr. Gunnar Brehm von der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Die Wissenschaftler konnten bei ihren Messungen eindeutige Muster erkennen: Die Tiere zweier extrem artenreicher Familien (Bärenspinner/Arctiinae und Spanner/Geometridae) werden mit der Höhe signifikant größer. Dies entspricht den Erwartungen der sog. "Bergmann-Regel".

H. Pein, A. Ville...O. Werz, A. Koeberle: Endogenous metabolites of vitamin E limit inflammation by targeting 5-lipoxygenase. Nature Communications 2018 9:3834

Quelle und weitere Informationen:
https://idw-online.de/de/news703298


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Bindungsstelle von Vitamin E-Stoffwechselprodukten an der 5-Lipoxygenase, einem Schlüsselenzym für die Bildung entzündungsfördernder Lipidmediatoren.

Foto: Veronika Temml

 

Seit fast 100 Jahren erforschen Wissenschaftler die Wirkungen von Vitamin E und haben die chemischen Grundlagen weitgehend geklärt. Vitamin E ist ein Antioxidans und neutralisiert zellschädigende freie Radikale. Doch obwohl dies in Zell- und Tiermodellen unter Laborbedingungen hinreichend belegt ist, liefern klinische Studien sehr heterogene Ergebnisse. Nicht nur, dass die positiven Effekte oft nicht in der erwarteten Stärke auftreten, manchmal zeigt die Gabe von Vitamin E sogar nachteilige Effekte. Eine mögliche Ursache dafür haben Dr. Koeberle und seine Kollegen nun gefunden: Vitamin E wird vom Körper in ein Stoffwechselprodukt mit Namen Alpha-Carboxychromanol überführt, das unter anderem eine vielversprechende entzündungshemmende Wirkung aufweist.


E. Kolchinsky, U. Hossfeld, G. S. Levit: Russian Scientists and the Royal Society of London: 350 years of scientific collaboration. Notes and Records, 2018, http://dx.doi.org/10.1098/rsnr.2017.0001


Quelle und weitere Informationen:
https://www.uni-jena.de/Forschungsmeldungen/FM180817_russisch_britische_Wissenschaftsbeziehungen.html

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Gebäude der ehemaligen Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg, heute: Saint Petersburg Scientific Center of the Russian Academy of Sciences
 
Foto: Georgiy Nikolaenko

"Die Dynamik der Beziehungen zwischen wissenschaftlichen Institutionen gibt uns viel mehr Informationen über Wissenschaftsentwicklungen, als wenn wir uns auf einzelne Personen konzentrieren", sagt Prof. Dr. Georgy S. Levit von der ITMO Universität St. Petersburg, der derzeit auch an der Universität Jena forscht. "Daraus lassen sich dann bestimmte Regel- und Gesetzmäßigkeit für die Wissenschaftsentwicklung ableiten und etwa die Frage beantworten, was Wissenschaft wirklich braucht", ergänzt sein Jenaer Kollege Prof. Dr. Uwe Hoßfeld. Eine Konstante sticht dabei hervor: Politik spielt immer eine Rolle.

Schon zu Beginn der Kooperation tritt das deutlich hervor: 1724 wurde ein Vertrauter Peter des Großen, Alexander Menschikoff, auf Einladung Isaac Newtons in die Royal Society aufgenommen, obwohl er kaum lesen und schreiben konnte. In der Regel traf aber hier Spitzenforschung aufeinander, was beide Seiten befruchtete und bereicherte, vor allem vor der Oktoberrevolution. Prominente Namen sind damit verknüpft: Charles Darwin etwa war Mitglied der Russischen Akademie. Der Physiologe Iwan Pawlow trat dem Kreis der Royal Society bei.

Theißen, G., Rümpler, F. and Gramzow, L. (2018). Array of MADS-box genes: facilitator for rapid adaptation? Trends in Plant Sciences. 23, 563-576. 

DOI:
https://doi.org/10.1016/j.tplants.2018.04.008

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Innerhalb einer Population von Pflanzen der Art Arabidopsis thaliana existieren verschieden Zustände eines Tandem-Gen-Clusters, welches in die Blühzeitpunktkontrolle involviert ist (illustriert durch die farbigen Boxen). Die Clusterzustände resultieren in leicht unterschiedlichen Blühzeitpunkten in Abhängigkeit von der Umgebungstemperatur. Bei einer Veränderung der Umgebungstemperatur kann sich die Population auf diese Weise sehr schnell an die veränderten Bedingungen anpassen. (Abbildung: Florian Rümpler/FSU)

u finden. Die Entstehung und Evolution des Gen-Clusters zu verstehen, könnte daher helfen die Blühzeitpunktkontrolle gezielt zu beeinflussen und so Im Zeitalter der globalen Erwärmung stellt sich die Frage, ob es allen Pflanzen gelingen wird, mit den sich rasch verändernden Umweltbedingungen Schritt zu halten. Für lange Zeit war man sich sicher, dass die Evolution ein langsamer, gradueller Prozess ist, der über zahllose, unmerklich kleine Schritte zur Anpassung führt. In den letzten Jahren setzte sich jedoch weitgehend die Meinung durch, dass die Evolution zumindest manchmal sehr schnell vonstattengehen kann, sodass bereits innerhalb weniger Generationen eines Organismus grundlegende Veränderungen auftreten können. Welche molekularen Mechanismen diese Form der schnellen Anpassung ermöglichen ist bisher allerdings weitestgehend unerforscht. In dieser Studie entwickeln wir die Hypothese, dass sogenannte Tandem-Gen-Cluster eine Quelle schneller Evolution sind. Ein Tandem-Gen-Cluster ist ein Bereich des Genoms in dem mehrere Gene der gleichen Genfamilie unmittelbar hintereinander liegen. Diese Bereiche des Erbguts mutieren und evolvieren häufig besonders schnell. In der Modellpflanze Arabidopsis thaliana existiert ein Tandem-Gen-Cluster welches in die Kontrolle des Blühzeitpunktes involviert ist. Auf Grundlage vorangegangener Studien stellen wir die Hypothese auf, dass häufig auftretende Mutationen in diesem Gen-Cluster zu leichten Veränderungen in der Blühzeitpunktkontrolle führen und dadurch eine schnelle Anpassung an Temperaturveränderungen ermöglicht wird. Ähnliche Gen-Cluster sind auch in verschiedenen Nutzpflanzen zdie Herausforderungen des Klimawandels zu meistern.


Nishiyama, Tomoaki et al. (2018): The Chara Genome: Secondary Complexity and Implications for Plant Terrestrialization, Cell, https://doi.org/10.1016/j.cell.2018.06.033.

Quelle und Details:
https://www.uni-jena.de/Forschungsmeldungen/FM180724_Algen_Land.html
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Quirl einer Armleuchteralge mit Reproduktionsorganen. Der für Algen komplizierte Körperbau deutet die relativ nahe Verwandtschaft zu den Landpflanzen an.

Foto: Florian Rümpler/FSU
Wie weit muss man in der Evolutionsgeschichte zurückgehen, um herauszufinden, wann die Weichen für die Besiedlung des Festlandes durch Pflanzen gestellt wurden? Die Antwort darauf fand ein internationales Wissenschaftlerteam, welches das Genom der Armleuchteralge Chara braunii entschlüsselte - deren Vorfahren bereits vor 500 Millionen Jahren lebten. An der Deutung der Genomsequenz der Grünalge, die viel näher mit den Landpflanzen verwandt ist als die meisten anderen Algen, beteiligten sich mehr als 30 Forscher und steuerten unter der Leitung des Marburger Biologen Prof. Dr. Stefan Rensing ihre je eigene Expertise bei, darunter Prof. Dr. Günter Theißen und Dr. Florian Rümpler von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Die Ergebnisse wurden in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift "Cell" veröffentlicht (DOI: 10.1016/j.cell.2018.06.033).
Felix Blei et al. (2018): Biocatalytic Production of Psilocybin and Derivatives in Tryptophan Synthase-Enhanced Reactions, Chemistry - A European Journal, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1002/chem.201801047.

Sandra Hoefgen et al. (2018): Facile assembly and fluorescence-based screening method for heterologous expression of biosynthetic pathways in fungi, Metabolic Engineering, https://doi.org/10.1016/j.ymben.2018.05.014.

Pressemitteilung:
http://idw-online.de/de/news699637
Psilocybe_cyanescens_Hoffmeister250
Pharmazeuten der Uni Jena erforschen Zauberpilze wie den Psilocybe cyanescens, auch Blauender Kahlkopf genannt. Dieser produziert den bewusstseinserweiternden Wirkstoff Psilocybin.

Foto: Dirk Hoffmeister/FSU

Lange Zeit wagte sich niemand so recht an die Erforschung von Psilocybin - dem Molekül, das den Zauberpilzen ihre Magie verleiht. Aufgrund seiner bewusstseinserweiternden, halluzinogenen Wirkung bezog es in der Wissenschaft seit den 60er Jahren eher eine Randposition. Seit einigen Jahren floriert jedoch die Erforschung des Wirkstoffs wieder, denn klinische Studien in aller Welt belegen die lindernde Wirkung bei therapieresistenten, schweren Depressionserkrankungen. Grund genug für Prof. Dr. Dirk Hoffmeister von der Friedrich-Schiller-Universität Jena, sich genauer mit der Substanz zu befassen: Erst im vergangenen Jahr deckte er mit seinen Mitarbeitern die Prozesse auf, mit denen der Pilz Psilocybin produziert - und entwickelte seitdem mit Jenaer Kollegen gleich zwei alternative Herstellungsmöglichkeiten. Zwei Fachmagazine veröffentlichten nun die Ergebnisse.
 P. Sieber, M. Platzer, S. Schuster
The definition of open reading frame revisited
Trends in Genetics 34, 2018, 167-170
 Definition

Abbildung in Originalgröße.

Die drei verschiedenen ORF-Definitionen sind am Beispiel eines eukaryotischen Gens mit Introns illustriert. ORFs sind dargestellt als orangene gestrichelte Linien. In allen Fällen kann ein ORF keine Stopcodons innerhalb des entsprechenden Leserahmens enthalten.
Definition 1 ist von einem Startcodon am Anfang und einem Stopcodon am Ende begrenzt. Das kann bei Stopcodons innerhalb von Introns zur Problemen führen, wobei ein Gen unvollständig erkannt wird. Im Fall von prokaryotischen Genen und Genen ohne Introns entspricht Definition 1 der kodierenden Sequenz (CDS).
Definition 2 wird von jeweils einem Stopcodon an Anfang und Ende begrenzt. Dabei kann ein Gen mehr als ein ORF enthalten und ein ORF beinhaltet ein oder mehrere Exons eines Gens.
Definition 3 findet nur bei internen Exons Anwendung und ist durch die Spleißstellen an Anfang und Ende jedes Exons begrenzt. Hier entspricht ein ORF genau einem internen Exon.
Der Begriff des offenen Leserasters (open reading frame, ORF) wird im Alltag vieler biologischen Wissenschaftler regelmäßig verwendet und kann genutzt werden, um potentielle protein-kodierende Gene zu finden. In der Fachliteratur und in wissenschaftlichen Artikeln wird ein ORF oft definiert als eine Sequenz, die mit einem Startcodon beginnt und mit einem Stopcodon endet. Jedoch wirft diese Definition einige Fragen auf: Wie unterscheidet sich der Begriff ORF von dem einer kodierenden Sequenz (coding sequence, CDS)? Was passiert, wenn eine Sequenz Introns enthält? Und kann die ORF-Suche auch auf Metadaten und unvollständige Sequenzen angewandt werden?
Bei unserer Suche fiel auf, dass es drei verschiedene Definitionen für ORFs gibt, die alle in Verwendung sind. Das kann zu Missverständnissen zwischen verschiedenen Wissenschaftlern führen, weshalb ein einheitliches Verständnis des Begriffs angestrebt werden sollte. In unserem Artikel stellten wir diese Definitionen von ORF vor und gehen wir auf verschiedene Vor- und Nachteile der drei Definitionen ein. Schlussendlich schlagen wir die Definition als einheitlich vor, die am Anfang und Ende von einem Stopcodon begrenzt wird.
 
Eva Kling, Thomas Spaller, Jana Schiefner, Doreen Bönisch, Thomas Winckler: Convergent evolution of integration site selection upstream of tRNA genes by yeast and amoeba retrotransposons. Nucleic Acids Research 2018, DOI: https://doi.org/10.1093/nar/gky582.  Amöbe_Winckler
Multizellulärer Fruchtkörper der Amöbe Dictyostelium discoideum.

Foto: Thomas Winckler/FSU
Parasitismus ist eine absolut einseitige Lebensform. Der Schmarotzer bereichert sich auf Kosten seines Wirtes und schädigt diesen nicht selten so sehr, dass er abstirbt. Trotz dieser ungerechten Ausgangssituation ist das Phänomen weit verbreitet. Sogar in den Erbanlagen eines Organismus, in seinem Genom, können wir es finden. Bestimmte DNA-Sequenzen, sogenannte mobile genetische Elemente, infiltrieren solche Zellen und vermehren sich darin eigennützig. In der Regel verbreiten sich die neuen Kopien dieser Elemente dabei uneingeschränkt im Genom und springen häufig in die Gene der Zelle und zerstören sie so. Pharmazeuten der Friedrich-Schiller-Universität Jena haben nun aber herausgefunden, dass die Parasiten unter Umständen auf ganz unterschiedliche Weise auch Rücksicht auf ihren Wirt nehmen - im eigenen Interesse natürlich.
P. König t al.: Advances in flowering phenology across the Northern Hemisphere are explained by functional traits. Global Ecol Biogeogr. 2018 https://doi.org/10.1111/geb.12696

Pressemitteilung:
https://idw-online.de/de/news689116
Kirschblueten 
Die Kirschblüten treiben in Japan seit Mitte des 20. Jahrhunderts immer früher aus. Ein Phänomen, das sich auch in unseren Breiten beobachten lässt, wie Jenaer Biologinnen nachgewiesen haben.

Foto: Anne Günther/FSU

Hanami - das japanische Kirschblütenfest lockt jedes Frühjahr Tausende Einheimische und Touristen aus aller Welt ins Freie, um in öffentlichen Parks das Erwachen der Natur in Weiß und Rosarot zu feiern. Das fernöstliche Frühlingsfest hat eine lange Tradition und der Beginn der nur wenige Tage dauernden Kirschblüte wird in Japan bereits seit über 1.000 Jahren dokumentiert. Aus solchen Aufzeichnungen, aber auch zahlreichen anderen Beobachtungsreihen weiß man, dass es in den zurückliegenden Jahren und Jahrzehnten gravierende Veränderungen im Einsetzen der Baumblüte gegeben hat.
Für ihre Studie hat Patrizia König Daten aus verschiedenen Publikationen zum Blühbeginn für über 550 Pflanzenarten von 18 Standorten in Europa und Nordamerika zusammengetragen und ausgewertet.

Yvette Pötzinger, Martin Rabel, Hannes Ahrem, Jana Thamm, Dieter Klemm, Dagmar Fischer. Polyelectrolyte layer assembly of bacterial nanocellulose whiskers with plasmid DNA as biocompatible non-viral gene delivery system. Cellulose 2018, 1-22
DOI: https://doi.org/10.1007/s10570-018-1664-z

Nanocellulose250
Aus dem säurehydrolytischen Abbau bakterieller Nanocellulose resultieren biokompatible Cellulosenanowhisker, welche sich mit DNA beladen lassen.
Aus Nanocellulose wurden durch chemischen Abbau Nanokristalle, sog. Nanowhisker gewonnen, die eine exzellente Zyto- und Hämotoxizität in verschiedenen in vitro- und ex ovo-Tests gezeigt haben. Die Partikel waren in der Lage in Layer-by-Layer-Systemen mit kationischen Polymeren Plasmide zu binden, zu stabilisieren und in einem Proof-of-Concept zur Transfektion zu bringen. Diese Nanowhisker zeigten dabei ihre Eignung als erneuerbares Wirkstoffträgersystem für bioaktive Substanzen wie Nukleinsäuren
O. Werz et al. Human macrophages differentially produce specific resolvin or leukotriene signals that depend on bacterial pathogenicity. Nature Communications 9 (2018) DOI:10.1038/s41467-017-02538-5

Pressemitteilung:
https://idw-online.de/de/news687274
 Werz250

Bildausschnitt (Original siehe Pressemitteilung)
Omega-3-Fettsäuren sind essenzielle Nahrungsbestandteile und gelten als sehr gesund. Die vor allem in Pflanzenöl und Fisch vorkommenden Substanzen haben sich in zahlreichen Untersuchungen als gesundheitsfördernd für das Herz-Kreislauf-System erwiesen. Darüber hinaus spielen Omega-3-Fettsäuren auch eine wichtige Rolle bei der Immunabwehr: Sie liefern die Grundbausteine für entzündungsauflösende Substanzen - sogenannte Resolvine -, die das Abklingen von Entzündungsreaktionen zum Beispiel infolge von mikrobiellen Infektionen fördern. Ein internationales Forscherteam um Prof. Dr. Oliver Werz von der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Prof. Dr. Charles N. Serhan von der Harvard Medical School in Boston hat jetzt in der renommierten Fachzeitschrift "Nature Communications" Studienergebnisse vorgestellt, die den zugrundeliegenden zellulären Mechanismus der Auflösungsphase von Entzündungsreaktionen erklärt (DOI: 10.1038/s41467-017-02538-5). Demnach nehmen krankheitserregende Bakterien gezielt Einfluss auf die Funktion bestimmter Immunzellen - die Makrophagen - und steuern so den gesamten Prozess der Entzündung anhand unterschiedlicher Fettsäuren.