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Die Orientreisen des Naturforschers Carl Haussknecht virtuell nachverfolgen


Reisetagebücher sind kulturhistorische Dokumente

"Wir wollen zum einen mehr über unsere Sammlung erfahren", nennt Institutsdirektor Prof. Dr. Frank H. Hellwig ein Ziel des Projekts. Denn bislang ist der genaue Umfang der Haussknechtschen Sammlung nicht bekannt. Außerdem helfen die Tagebücher dabei, die Bezeichnungen für manche Pflanzen zu erforschen und abzuleiten. "Die bisherigen Sichtungen belegen zudem, dass die Informationen in den Tagebüchern, die über die reine Botanik hinaus ein weites Spektrum an Disziplinen wie Geologie, Geografie, Kartografie, Zoologie, Landeskunde, Sozial- und Kulturgeschichte bedienen, für die Einordnung und Interpretation des botanischen Materials von Bedeutung sind", sagt Projektleiter Hellwig. "Das macht die Tagebücher zu kulturhistorischen Dokumenten."

Wichtig für diese kulturelle Dimension ist auch, dass Haussknecht die Tagebücher nie zur Veröffentlichung vorgesehen hatte, sie daher sehr persönliche Gedanken und Einschätzungen von Menschen und der politischen Lage enthalten. Die Jenaer Projektmitarbeiterin Kristin Victor wird somit nicht nur die von Haussknecht gesammelten Pflanzenbelege, sondern auch eine Vielzahl weiterer Archivmaterialien, darunter ein Stammbuch und Visitenkarten-Fotografien, einbeziehen. "Die kritische Auswertung der Tagebücher ermöglicht die Kontextualisierung der Gründungssammlung des Herbariums sowie die nationale und internationale Würdigung der Persönlichkeit Haussknechts und seines Beitrags zur systematischen Botanik wie zur Entwicklung der Orientbotanik", ist sie überzeugt. Denn Haussknecht, ergänzt Prof. Hellwig, gehörte damals zu den führenden europäischen Köpfen in der Orientbotanik und machte Thüringen zu einem Zentrum dieses Fachgebiets.

Quellen und weitere Informationen:http://www.uni-jena.de/Forschungsmeldungen/FM170602_Haussknechttagebuecher.html

                                              https://idw-online.de/de/news675764


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